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Miteinander für die Natur - Taucher bei der Gewässerpflege
21.08.2018
von Dipl.-Biol. Uwe Scherner

Wenn Gemeinden, Fischereivereine, Taucher und Naturschützer zusammenarbeiten, hilft das meistens allen, auch der Natur!

Ich unterstütze als Umweltreferent eine Gemeinde (Seeeigentümer) mit Unterwasser-Foto-Kartierungen von Wasserpflanzen. Dies geschieht in Kooperation mit einem privaten Umweltgutachter-Büro. Bei dem Gewässer handelt es sich um einen 120 ha großen, ehemaligen Kiesweiher, der auch als Badesee genutzt wird. Die Wasserpflanzen wachsen dort teilweise so dicht und so hoch, dass ein Badebetrieb nicht mehr möglich ist.

Früher wurden die Pflanzen mit Stahlseilen aus dem Untergrund gerissen. Später hat man sie mit einem Mähboot großflächig entfernt. Wasserpflanzen sind aber für das ökologische Gleichgewicht des Sees, die darin ablaufenden Nährstoffkreisläufe und somit auch für die Fische enorm wichtig, ja sogar unverzichtbar. Sie benötigen zum Wachstum Licht, Kohlendioxid und Nährstoffe. Bei den Nährstoffen handelt es sich vor allem um Phosphate, die auch das Wachstum von mikroskopisch kleinen Planktonalgen fördern.

Ein übermäßiges Algenwachstum kann den See in eine grüne Suppe verwandeln. Hat der See hingegen ein optimales Wasserpflanzenwachstum, dann entzieht dieses dem Gewässer bestimmte Nährstoffe. Die kleine Algen können sich nicht mehr so schnell vermehren und der See bleibt klar. In unserem Gewässer stirbt das Krause Laichkraut im Sommer ab, sinkt auf den Seegrund und verrottet. Durch diesen Vorgang bildet sich dort ein enormes Sauerstoffdefizit.

Bei meine Kartierungstauchgängen sehe ich, wann das Absterben der Wasserpflanzen bevorsteht. Dies ist dann der optimale Zeitpunkt für eine selektive und sichtkontrollierte Handmähaktion. Und jetzt kommen die Taucher ins Spiel. Mit Heckenscheren wird nur die Pflanzenart gemäht, die kurz vor dem Absterben steht und sich im Badebereich befindet. Da die Pflanzen dann noch in relativ guter Verfassung sind, treiben sie an die Oberfläche und können einfach am Seeufer abgesammelt werden. Die Nährstoffe werden so dem Gewässer entzogen und stehen für ein Algenwachstum nicht mehr zur Verfügung. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt, dann sinken die absterbenden Pflanzen auf den Gewässergrund und verfaulen dort.

Von dieser selektiven Mähaktion durch Taucher profitiert auch der Naturschutz, da nicht mehr alle Pflanzen wie früher ausgerissen werden (siehe unten: Die Bedeutung von Wasserpflanzen). Die Erholungssuchenden haben einen freien Schwimmbereich. Die Fische, insbesondere die Krautlaicher finden noch genug Pflanzen für Brut und Wohnort und darüber freut sich auch der Fischereiverein.

Selektives Handmähen durch Taucher ist in vielen Fällen eine vernünftige Pflegemaßnahme. Aber die Zusammenhänge in einem See sind sehr komplex. Bevor man solche Eingriffe durchführt, sollte von einem fachkundigen Büro oder Institut ein Pflegeplan erstellt werden.

 

Euer VIT-Umweltreferent
Dipl.-Biol. Uwe Scherner

 

Die Bedeutung von Wasserpflanzen:

  • Aufbau von wertvollen Substanzen aus anorganischen Stoffen durch Photosynthese (Biomasse-Produktion)
  • Sauerstofflieferant im See
  • Anfang vieler Nahrungsketten
  • Absterbendes Pflanzenmaterial ist eine Nahrungsquelle für Kleinlebewesen.
  • Aufenthaltsraum und Schutz für Kleintiere
  • Eiablageplatz für Libellen, Amphibien und Fische
  • Kinderstube für Jungfische
  • Mikroorganismen auf den Pflanzenoberflächen bilden ein riesiges Klärsystem und erhalten die Wasserqualität.

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